Samstag, 18. September 2010

The American

Schade. Schade, dass Anton Corbijn kein Regisseur ist. Wie toll hätte The American werden können. Doch Corbijn interessiert sich weder für Figuren noch für die Handlung. Er ist ein Mann der Oberflächen, der schönen Oberflächen. Ein ästhetischer Arbeiter. Diese Arbeit ist allerdings unglaublich beeindruckend. Der Reiz von The American liegt in den tollen und beeindruckenden Bildern von Landschaft und Mensch in der Supertotale, der Unschärfe und im Halbdunkeln.
Aber allein die Bilder machen nicht den Film. Das riesige Format des Films scheint mir fast verschwendet, bei so wenig Inhalt. Clooney als Eisklotz, dessen Geschichte ein Schmetterlingstatoo erzählen soll? Er hat keine Chance die Brüche seiner Figur zu zeigen, sondern nur Oberflächen. Er ist eben nicht Eastwood, Van Cleef oder Bronson, welche selbst in verlorenen Landschaft Charakter-Massive darstellen. Doch die Schuld liegt hier nicht bei Clooney, sondern bei der fehlenden Tiefe der Figur, bei der Motivation. (Erst als sich Jack entscheidet seinen Job als Waffenkonstrukteur hinzuschmeißen und mit der Prostituierten Clara ab zuhauen, wird der Film spannend.)
War Control schon blutleer wie ein toter Vampir, so ist The American trotz schöner optischer Momente streckenweise einfach uninteressant.
Meine arrogante Empfehlung an den Regisseur lautet: Gus van Sant und Jim Jarmusch Filme anschauen und lernen, wie man Ästhetik und Inhalt verknüpfen kann.
UND!!... daran sieht man, dass Corbijn ein Werbemann ist: Der Schmetterling und "Spiel mir das Lied vom Tod", sind seine Mittel, um uns etwas zu erzählen. Zitate, abgespeicherte Erinnerungsbilder, statt handelnde, erzählte Personen.