Donnerstag, 13. Oktober 2011

4 x guter Film im Herbst


Melancholia


Melancholia sitzt mir noch in den Knochen. Eine Familie erlebt die letzten Tage vor einem drohenden Weltuntergang durch einen Palaneten (Melancholia), abgeschieden auf dem Land.
Bilder sind es, die in Erinnerung bleiben, Musik und wirklich phantastische Schauspieler. Besonders im ersten Teil des Films, der auf Justines Hochzeit spielt, wird tief ins Fleisch geschnitten und große Fragen aufgeworfen. Was soll man fühlen? Wie soll man sein? Was soll das alles überhaupt? Ein perfektes Setting für all diese Fragen und toll agierende Schauspieler. Dunst, Gainstbourg und Sutherland, die unglaublich gut alle Zwischentöne dieser schwierig zu spielenden Situation treffen. Mit dem zweiten Teil des Film konnte ich dann leider viel weniger anfangen, denn die Spannung ergibt sich hauptsächlich durch den Planeten, der stetig näher kommt.
Melancholia ist ein Film über Depression - ein sehr schöner Film, der immer wieder durch grandiose Sequenzen unterbrochen und getragen wird. Ein durchkomponiertes Stück Arthaus-Kino und ein tiefgründiges Drama. Das ist viel und lässt den Zuschauer sicher nicht unbeeindruckt...aber so ist es eben, wenn man sich mit dem Tod auseinandersetzen muss.

Le Havre



Schuhputzer Marcel versteckt einen illegal eingereisten Jungen vor der Polizei. Das Genre: Sozialmärchen.
Kaurismäki macht wie immer einen tollen Film! Doch dieses Mal mit klaren Aussagen und Botschaften. Er stellt sich hier uneingeschränkt hinter entrechtete Flüchtlinge und übt explizit Kritik an der Politik Frankreichs. Auch beschwört er den Zusammenhalt der Armen und die gute Seele der Menschen. Hut ab! Das ist schön bei all dem “Realismus”, der uns sonst zu diesem Thema medial alltäglich entgegen schlägt. Es ist aber auch ein Märchen. Armut trennt die Menschen und die Folgen sind Neid, Hass und Gewalt. Soziale Probleme müssen global gelöst werden. Im Film wird aber “nur” einem Jungen geholfen, zu seiner Mutter zu kommen.
Das ist wunderschön, weil Marcel dies so selbstverständlich tut, wie Protagonisten in Kurasmäki Filmen eben immer handeln. Antrieb ist Sinn für Gerechtigkeit, Liebe und Zynismus. Darüber wird nicht geredet, sondern danach wird gehandelt.



The Guard


Ein irischer Polizist versucht mit einem FBI Agenten ein Drogengeschäft zu vereiteln.
The Guard ist für mich einer der besten Filme dieses Jahres. Witzig, lakonisch, tiefgehend...und vor allem überzeugend. Warum? Polizist Gerry erfährt hier nicht, wie in duzenden anderen Filmen, eine Wandlung vom grummligen Provinzcop zum netten Lieblingsonkel, sondern bleibt wie er ist. Schwer zu durchschauen. Selten gab es eine spannendere Figur in einer Komödie.
Anschauen und genießen! Bendan Gleeson ist unfassbar gut.

Der große Crash



Eine große Wertpapierfirma gerät über Nacht in eine große Krise. Nachdem ein Angestellter errechnet, dass die Werte der Firma im Negativen liegen, wird innerhalb einer Nacht der Vorstand zusammengerufen und über nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft entschieden.  
Der große Crash ist ein Kammerspiel, das hauptsächlich in einer Nacht und in einem Bürogebäude spielt. Es ist ein Gespensterspiel mit Zahlen, die ihre Bedeutung verloren haben und mit Menschen, die zu Zombies geworden sind. Blass und ausgezehrt versuchen sie sich durch und mit dem Untergang der Firma zu retten. Angeblich alternativlos (?) spielen sie ein Spiel, das sie irgendwann doch verlieren werden.
Natürlich erzählt uns Der große Crash nichts Neues, aber er zeigt, und das auf erschreckende Weise, wie hohl und leer das Streben nach Geld ist; wie betrügerisch das Versprechen ist, das einem Geld gibt und wie schnell es an Wert verlieren kann. Das System als eine unhinterfragte illusionäre Konstruktion, die zur Realität geworden ist.
Eine Riege großartiger Schauspieler spielt hier genial einen Film, der die Absurdität der Zeit nicht treffender spiegeln könnte. Keine Maske, kein Blitzlicht, kein Make-Up. Was bleibt, ist...Nichts.

Sonntag, 26. Juni 2011

Hanna, X-Men und die schnellen Fünf im knüppel kalten Winter

Wer ist Hanna?
Die 14jährige Hanna wird von ihrem Ex-CIA-Vater in der Wildnis zu einer perfekten Killerin erzogen und macht sich über Kontinente hinweg auf den Weg ihre Widersacherin zu töten.
Ja, die Geschichte ist nicht die Stärke des Films. Stark sind vor allem der collagierte Schnitt, die abgefahrenen Sequenzen und Figuren und die Hauptdarstellerin. Hanna ist ein ungewöhnlicher Film, den man schon gesehen haben sollte.


X-Men: Erste Entscheidung
Man muss sich zwangsläufig doof vorkommen, wenn man die Geschichte von egal welchem X-Men-Film zusammen fassen will. Deswegen mach ich es kurz: Kampf zwischen zwei Mutantenfraktionen. Die einen wollen mit den Menschen leben, die anderen sie unterjochen. Das alles spielt in den 1960er Jahren zur Kubakrise. Puh...
Dieser X-Men-Film besinnt sich wieder auf die Stärken des ersten Films dieser Reihe und interessiert sich hauptsächlich für die Figuren und ihre Probleme mit dem Anderssein. Die Retro-Optik und das übersichtliche Erzähltempo sind für eine Comicverfilmung äußerst ungewöhnlich und ehrlich gesagt, ein Seegen für das Genre. Der Film ist vollgepackt mit Hintergrundgeschichten, Rückblenden und Szenenwechseln, trotzdem hat er mir nicht so gut gefallen. Wahrscheinlich, weil ich alle Filme dieser Reihe immer noch mit dem ersten vergleiche und finde, dass auch dieser die Intensität, die Tiefe und das Drama der Figuren nicht annähernd so berührend zeig, wie die X-Men Verfilmung von Brian Singer.


Fast Five
Trotz schrecklicher Schauspieler ist dieser Film ein wirklich sehenswertes Action-Spektakel. Selten haben mich Verfolgungsjagden und Stunts so in den Bann gezogen, wie bei diesem Film. Da versteht einer sein Handwerk und weiß, welche Bilder wirken. Der Versuch einer Familiengeschichte, die hier angerissen wird, ist allerdings mehr als kläglich oder einfach unmöglich mit diesen "Schauspielern". 


Perfekt exerzierte Action vs. aufgepumpte Mimen - Ergebnis 10:0





Winter's Bone
Im amerikanischen Hinterland muss ein Mädchen ihren toten! Vater finden, damit sie und ihre Familie ihr zu Hause nicht verlieren. Ein düsterer Independent-Film, der uns ein Amerika zeigt, wie wir es bisher nur aus Horrorfilmen à la Wrong Turn kannten. Üble Familien-Sippen, Verelendung, Gewalt und Drogensumpf ist es, womit die Protagonistin zu kämpfen hat. Es geht ums überleben. Doch was für ein Leben ist das?
Für mich jetzt schon ein Stück (Independent-) Kino Geschichte.


Zum Schluss noch ein paar Kurztipps:
Rango: Toller Western, tolle Animationen, toller Film. Zum Glück kein 3D!
Hereafter: Toller Film über das Leben nach dem Tod.
Alles was wir geben mussten: Ein trauriger Film ohne Antworten. Eine Mahnung.