The Nightingale - Schrei nach Rache


Als Clare vergewaltigt und ihre Familie von einem Leutnant und seinen Soldaten ermordet wird, verfolgt sie die Mörder, um sich an ihnen zu rächen. Zusammen mit ihrem indigenen Führer Billy schlägt sie sich durch den Urwald Tasmaniens und muss erfahren, dass sein Schicksal und das der indigenen Bevölkerung noch grausamer, als ihr eigenes ist.


Clare: I'm not your whore. I'm not your nightingale, your little bird, your dove. I'm not your anything. I belong to me and no one else!


Viele Kritiker*innen steckten diesen Film in eine Kategorie (rape-revege-irgendwas), nur um wohl mit ihrer eigenen Unsicherheit umzugehen. Und ja, Nightingale ist kein einfacher Film. Es ist ein langer quälender Film voll Grausamkeit und Unmenschlichkeit. Bewusst werden die Morde der Weißen fast schon beiläufig inszeniert. Das Leben der Frauen und der indigenen Bevölkerung ist hier nichts wert. Für mich als Vater, ist der Mord an Kindern besonders schwer zu ertragen. Aber die Beiläufigkeit der Brutalität zu zeigen, lässt den Zuschauer verstört und allein zurück. Er wird dazu gezwungen, der hilflose schockierte Beobachter zu sein.

Tatsächlich ist es so, dass man nach dem zutiefst erschütternden Auftakt des Films, einen Rachefilm erwartet. Was man bekommt, ist aber einen Einblick in das Schicksal der indigenen Bevölkerung, die unter der Kolonialisierung versklavt und ausgelöscht wurde. 

Dazu auch noch Stellung zu beziehen, fällt nicht leicht, vor allem nicht nachdem man Clares Schicksal am Anfang mitverfolgt hat. Der Film löst diesen Konflikt, indem sich Clare und Billy zusammenschließen. Auch das ist kein einfacher Prozess, denn auch für Clare ist Billy am Anfang nur ein “Boy” ein Wilder. Und für Billy ist Clare nur eine weitere Weiße, die sein Land stiehlt und ihn unterdrücken will.

Wäre Nightingale ein Rachethriller, würde in der Rache etwas befriedigendes liegen. Aber, und hier wird der im Jahr 1823 spielende Film hochaktuell, Sexismus und Rassismus sind gravierende Probleme unserer Gegenwart. Wir sind weit davon entfernt, die alten Machtstrukturen der weißen Männer zu durchbrechen. Sie bestimmen unsere Welt und sind in uns und in den Strukturen tief verankert.

Im Erkennen und Bekämpfen dieser Ungerechtigkeit liegt Hoffnung. 

Doch auch die Schuld, die in unserer Vergangenheit liegt, muss aufgearbeitet und anerkannt werden.

Ein Kampf an allen Fronten, das ist Nightingale und viel mehr, als ein herausragender Film.


Billy: I'm still here you white bastards! I'm not going anywhere! I'm home!