Freitag, 16. Januar 2009

Jerichow












Im Kino ist es wie im wirklichen Leben: Wir erschaffen uns unsere Realität...so gut wir eben können...und wenn man uns lässt.
In Jericho geht es um den Ex-Soldat Thomas, der sich in die Frau des mehrfachen Imbissbudenbesitzers Ali verschaut.
Sich die Geschichte der Figuren und ihre Gefühle selbst zu erschaffen, dazu zwingt uns Jerichow (ob man es nun merkt oder nicht, man tut es einfach). Die Geschichte ist einfach gestrickt die Konstellationen der Figuren klar. Man sieht das Skelet, das Gerüst eines Films, wie die Oberfläche der Figuren und das Dazwischen geschaffen ist, entscheidet der Zuschauer.
Ist Ali der Macho-Türke, der sich ne "weiße" Frau gekauft hat? Ist Thomas der gebrochene, sensible Deutsche, der sie befreit? Oder ist alles doch ganz anders? Und überhaupt...ist das alles nicht völlig unrealistisch?
(Was in die Figuren von den Zuschauern hineingelesen wurde, musste ich mit erschrecken im Kreuzberger Kino Yorck feststellen.)
Petzolds Jerichow lässt uns ohne Halt an Handlung und Figuren allein...und beschreibt wiedereinmal meisterlich den Zustand der Welt und ihrer Menschen, eine Welt voller Schulden und Schuld...