Ein einfacher Unfall


Zufällig begegnet Vahid einem Mann, den er für einen seiner Folterer aus der Zeit seiner Gefangenschaft hält. In einem überstürzten Moment entführt er ihn mit der Absicht, ihn zu töten. Doch da Vahid seinen Peiniger niemals gesehen hat – seine Augen waren stets verbunden –, kommen ihm Zweifel. Um Gewissheit zu erlangen, sucht er andere ehemalige Gefangene auf, die bei der Identifizierung helfen sollen. Gemeinsam machen sie sich in einem Van auf den Weg, um die Identität des Mannes zu klären – und über ihren Plan der Rache zu entscheiden.

Das Setting des Films ist gelungen, ebenso die moralische Fragestellung, die sich aus dem Thema ergibt. Leider wirkt der Film in seiner Umsetzung wenig glaubwürdig. Das mag teilweise an der deutschen Synchronisation liegen, teilweise auch an Darstellern, die in ihren Rollen nicht durchgehend überzeugen. An den minimalistischen Mitteln, die dem Regisseur aufgrund der erschwerten Drehbedingungen zur Verfügung standen, liegt es hingegen nicht – diese hätten der Geschichte durchaus dienen können.

Stattdessen verlässt sich der Film darauf, dass das Kopfkino des Zuschauers die Schwächen der Inszenierung und der Darsteller ausgleicht. Dafür hätte es jedoch eines deutlich ernsteren und konsequenteren Tons bedurft. So gelingt es den Schauspielern nicht, die notwendige Intensität zu erzeugen, und der stark im Alltag verankerte Film bleibt letztlich oberflächlich und unstimmig.

Anmerkung: Selbstverständlich ließe sich der Film auch im politischen Kontext diskutieren. Meiner Meinung nach sollte ein Film – wie jedes Kunstwerk – jedoch zunächst für sich selbst bestehen können.



Originaltitel: یک تصادف ساده
Erscheinungsjahr: 2025
Laufzeit: 104 Minuten
Bil
d@ MUBI